Food Processing Centre Nadowli

Die Idee
Die Behinderten in Nadowli, Ghana, haben sich in eigenständigen Vereinen zusammengeschlossen: die Blinden, die Gehörlosen und die Körperbehinderten.

Bei einem unserer Afrika-Aufenthalte (im Jahr 1996)  unterbreiteten uns die drei Vereine ihre Idee, gemeinsam ein Food Processing Centre, ein Verarbeitungszentrum für Lebensmittel, zu betreiben und baten uns, sie bei der Umsetzung zu unterstützen. In diesem Centre sollten unter anderem Reis geschält und gemahlen, Sheanut-Butter verarbeitet, Tomaten püriert und Getreide gemahlen werden und den Behindertengruppen als Einnahmequelle dienen.

Guter Start
Wir überprüften das Konzept und übernahmen das Projekt schließlich.

Zur Finanzierung des Food Processing Centre kooperierten wir mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das letztendlich etwa 75 Prozent der Kosten übernahm.

Zudem erhielten wir Ende Oktober 1997 ein Gutachten vom Business Advisory Centre, einer Kooperation der Regierung Ghanas und des Deutschen Entwicklungsdienstes, welches die Aufgabe hat, den Mittelstand zu beraten. Dieses Gutachten bestätigte der ab&p, dass unser Vorhaben geeignet und Erfolg versprechend sei. Das Projekt schien sich zu einem Musterprojekt zu entwickeln, da alles nach Plan lief: Dank der besonderen Unterstützung von Klaus Thüsing und Detlef Pietz, beide Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes in Accra, konnte das Food Processing Centre am 6. Juni 1999 offiziell eröffnet werden und seinen Betrieb aufnehmen. Die Erträge, die aus dem Centre hervorgingen, flossen in die einzelnen Vereine der Blinden, der Gehörlosen und der Körperbehinderten. Außerdem durften sie die Maschinen für ihre eigenen Lebensmittel umsonst benutzten und so zum Beispiel ihr eigenes Getreide gratis mahlen.

Das Projekt entwickelte sich hervorragend und die Behinderten entschieden sich sogar dazu, das Centre weiter auszubauen und eröffneten zusätzlich eine Schweine- und Hühnerzucht. Ein Beamter vom Staat prüfte regelmäßig die Geschäftsbücher des Centers und schickte der ab&p Berichte.

Schlechte Wende
Nach einiger Zeit blieben die Berichte des Beamten plötzlich aus. Wir konnten uns den Grund für den abgebrochenen Kontakt nicht erklären und unsere Versuche von Deutschland aus die Situation aufzuklären schlugen fehl. Auch unser Co-ordinator in Ghana, Elizabeth Adu Fosuah, konnte nicht weiterhelfen.

Uns blieb nichts anderes übrig, als uns selbst vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Dort wurden wir mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert:

Verwandtschaftliche Beziehungen, Stammeszugehörigkeiten und Vereinsproporz bereiteten Probleme bei der Organisation des Centers. So war zum Beispiel eine blinde Frau als Kassenwart zuständig. Da sie die anfallenden Schecks aber nicht lesen konnte, nutzte ein – in der Hierarchie höher stehendes – Mitglied dies für sich aus. Des Weiteren stimmten die Quittungen in den Büchern nicht mehr, was der Grund für die ausgebliebenen Berichte des Beamten war.

Ein weiteres Problem war ein Gerücht, das sich in Nadowli ausgebreitet hatte und besagte, dass ein Teil der – von den Kunden zur Verarbeitung gebrachten – Lebensmittel an die Hühner und Schweine verfüttert würde. Außerdem erfuhren wir, dass den Mitgliedern des Management-Teams jedes Jahr Hühner und junge Schweine kostenlos überlassen wurden. Wir glaubten, dass aus diesem Grund das Interesse der Behinderten an dem Food Processing Centre gesunken war und sie nur noch in die eigene Tasche wirtschafteten und nicht mehr im Sinne der Vereine.

Als Lösung schlugen wir vor, zunächst die Hühner- und Schweinezucht zu schließen, um wieder das eigentliche Ziel des Projekts, ein Food Processing Centre, zu verfolgen.

/ Projekt abgeschlossen